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Bitte ordnungsgemäß entsorgen!

Ich hatte bis vor einiger Zeit Internet und TV über einen grossen österreichischen Telekommunikationsprovider. Aus Gründen, welche nicht hierher gehören, entschied ich mich vor einigen Monaten den Internetprovider zu wechseln. Übrig blieben ein Router und eine Settop Box mit allem möglichen Zubehör (Kabel, Fernbedienung, Netzteile, Benutzerhandbücher). Auf meine Frage beim alten Provider, was ich mit dem ganzen Kram machen sollte, erhielt ich die knappe Antwort: „Bitte entsorgen Sie das ordnungsgemäß!“. Der Provider sieht die Pflicht beim Konsumenten, unter Einhaltung der Elektroaltgeräteverordnung die Geräte bei den entsprechenden Sammelstellen abzugeben.

Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit betrachtet ist es keinesfalls vertretbar, Gerätschaften, die nicht einmal ein Jahr in Verwendung waren, als Elektroschrott einfach auf den Müll zu kippen. Aber rein rechtlich gesehen ist das in Ordnung und aus der betriebswirtschaftlichen Sicht des Providers macht es durchaus Sinn: eine Rücksendung (möglicherweise auch auf Kosten des Unternehmens), ein Wiederaufbereiten und eine anschliessende Neuauslieferung der Geräte ist sicherlich viel teurer, als einfach die alten Geräte in den Entsorgungkreislauf überführen zu lassen und neuen Kunden neue Geräte auszuliefen.

Fraglich ist aber schon, warum der entsprechende Provider überhaupt eigene Hardware ausliefert – nach dazu wo diese nur von eher unterdurchschnittlicher Qualität ist. Könnte man nicht dem Konsumenten die Freiheit geben, sich die (entsprechend zertifizierte) Hardware selbst auszusuchen? Immerhin hat nicht jeder gleiche Ansprüche an beispielsweise einen Router: manchem Konsumenten mag wichtig sein, dass im ganzen Haus guter WLAN-Empfang herrscht, manch anderer braucht vielleicht überhaupt kein WLAN.

Die Provider versuchen natürlich, für die Kunden möglichst eine „gated Community“ aufzubauen, um einen Betreiberwechsel möglichst unbequem zu machen – man kennt das ja auch von Smartphonebetriebssystemen. Aber es kann sein, dass diese Motivation auf Kosten von Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit und nicht zuletzt auch auf Kosten der Konsumenten geht. Wie so oft liegt bei geschlossenen Systemen der Vorteil nur beim Diensteanbieter (möglicherweise aber nur vermeintlich und auch nicht langfristig), von offenen Systemen würden aber alle, einschliesslich der betroffenen Stakeholder profitieren. Aber man kann leider von keinem Unternehmen verlangen, ganzheitliche Überlegungen diesbezüglicher Art anzustellen.

Energieverbrauch in Netzwerken

Die vergangenen vier Jahrzehnte sahen ein außerordentliches Wachstum der Computernetzwerke. Es gab natürlich schon vor dem Aufkommen des Internets vernetzte Computeranlagen, aber seit dem Beginn des rapiden Internetwachstums Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nahm auch die Vernetzung der Geräte massiv zu. So gab es im Jahr 2000 ungefähr 360 Millionen Internetnutzer, im Jahr 2012 waren es circa 2,3 Milliarden – also mehr als eine Versechsfachung in zwölf Jahren [internetworldstats.com, 2011].Natürlich brauchen diese Telekommunikationssysteme auch elektrische Energie und haben ihren Anteil am IT-Gesamtenergieverbrauch: Die Bereitstellung der Energie zum Betrieb der Netzwerkinfrastruktur ist immerhin für ca. 0,6% der globalen Emissionen verantwortlich [Bolla u.a., 2009].

Es gibt auch in diesem Bereich Potenzial für Einsparungen durch eine Verbesserung der Energieeffizienz: der Verbrauch der Netzwerkkomponenten ist oft auf Höchstlasten ausgelegt und ist unabhängig von der tatsächlichen, oft viel geringeren Auslastung. Die Leistungsaufnahme wird also durch die Auslastung der Geräte nur wenig bis gar nicht beeinflusst, da nur eine geringe Energieproportionalität gegeben ist. So zum Beispiel variiert die Leistungsaufnahme von typischen Switches zwischen Null- und Vollast um weniger als 15 Prozent. Das Ziel muss also sein, den Energieverbrauch der Netzwerkinfrastruktur dynamisch an die Nutzlast anzupassen. Dies kann dadurch erreicht werden, daß Netzwerkkomponenten ihren Verbrauch bei geringerem Datentraffic auch drosseln können. Eine Möglichkeit dazu besteht beispielsweise darin, dass Subkomponenten bei Nichtverwendung in einen Schlafmodus versetzt werden, aus dem sie bei Bedarf wieder „geweckt“ werden können. Ein weiterer Ansatz ist das sogenannte „Energy-Efficient Ethernet“ mit dem Standard IEEE 802.3az [Cisco Systems, 2011]. Hier werden die Einsparungen erreicht, indem die LAN-Ports nur mehr dann Strom verbrauchen, wenn tatsächlich Daten gesendet werden. Werden keine Daten gesendet, gehen sie in einen Schlafmodus, stehen wieder Daten zur Übertragung an, wird zuvor der „schlafende“ Port durch die Sendung eines Signals geweckt.

Abgesehen von vielfältigen Einsparungsmöglichkeiten kann eine moderne Netzwerkinfrastruktur aber auch als Energiemanager agieren, indem sie den Betrieb von am Netzwerk angeschlossenen Komponenten wie IP-Telefonen, WLAN-Access-Points oder auch PCs steuert („Wake On Lan“). Unter diesem Aspekt darf also nicht nur isoliert der Energieverbrauchs des Netzwerkes an sich betrachtet werden, sondern es sind auch die Einsparungsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen, die durch Computernetzwerke erst ermöglicht werden.