Ladesäulen vs. Parksäulen

Bei Parkscheinautomaten ist man gewöhnt, den Parkschein gegen den Einwurf von Münzen oder das Einschieben einer Bankomatkarte zu erhalten. Das ist ein bewährtes System, und man käme wohl nicht auf den Gedanken, dieses ohne Not zu ändern.

Würde ein Parkplatzbetreiber jedoch für seine Parksäulen plötzlich RFID-Karten ausgeben, um die Kunden dann nicht für die tatsächliche Parkdauer bezahlen zu lassen sonden stattdessen wöchentliche, monatliche oder jährliche Pauschalen anzubieten, hätte dieser möglicherweise mit mangelnder Kundenakzeptanz zu rechnen. Für manche wäre es vielleicht ein Gewinn, quasi Dauerparken zu können, für viele würde sich aber ein Wochen- oder Monatsabo nicht auszahlen. Abgesehen davon, dass sich die durchaus unterschiedlichen Parkgewohnheiten nicht über eine Pauschale abdecken lassen, kann man die RFID-Karte des örtlichen Parkplatzes möglicherweise schon in der Nachbarstadt nicht mehr verwenden. Für weitere Fahrten müsste man sich vorab eine Parkkarte des Zielgebietes besorgen und möglicherweise eine Wochenparkgebühr für einmaliges Parken bezahlen.

Ladesäule
Ladesäule

Dieses Abrechnungsmodell scheint sich aber in der „Ladesäulenbranche“ nun durchzusetzen. So sind beispielsweise, wie der Autor vor kurzem erfahren hat, in der Elektromobilitätsregion Salzburg Stippvisiten leider nicht vorgesehen: will man das Elektrofahrzeug in der Stadt Salzburg aufladen, muss man sich vorab eine RFID-Karte zuschicken lassen (für den Kunden zwar gratis, aber wohl trotzdem mit Kosten verbunden) und dann ein Abo über die Dauer von zumindest einer Woche abschliessen. Also: einmal laden, eine Woche bezahlen. Da viele Anbieter ihre Ladesäulen bzw. Ladestationen nun mit RFID-Karten freischalten lassen, wird man sich als amitionierter Elektromobilist wohl über kurz oder lang auch mit einem dutzend RFID-Karten eindecken müssen (ausser die Anbieter würden untereinander Roaming zulassen).

Bei der momentan noch geringen Zahl von Elektrofahrzeugen stellt sich die Frage, ob für die Elektrizitätsversorgungsunternehmen momentan nicht jedes Abrechnungssystem mehr Kosten verursacht, als es einspielt. Nicht umsonst gibt es einige Ladestationen, wo man Ladestrom (noch?) kostenlos beziehen kann, was wohl auch als Investition in die Zukunft zu sehen ist: denn wer heute gratis tankt ist wohl morgen ein treuer Kunde. Wenn man aber schon in diesem frühen Marktstadium ein Abrechnungssystem einführen will, wäre es vernünftiger, gleich ein kundenfreundliches Bezahlsystem in Anlehnung an Parkscheinautomaten zu implementieren!

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