Archiv der Kategorie: Elektromobilität

Unplugsticker ist online!

Unplugsticker
Unplugsticker

Ein bisschen Werbung in eigener Sache muss schon mal sein! Und nun, da unplugsticker.eu auch online gegangen ist, ist auch der richtige Zeitpunkt dazu.

Es ist ja ein Problem, vor dem jeder „Elektromobilist“ von Zeit zu Zeit steht, dass er/sie zwar eine Ladestation gefunden hat, diese aber besetzt ist. Und es ist meistens nicht klar, ob der Wagen schon geladen ist oder grade erst angesteckt wurde, beziehungsweise wann der Besitzer zurückkehren wird. Wenn man Glück hat, war der Fahrer des Wagens so freundlich, eine Ladescheibe zu hinterlegen. Und vielleicht findet man sogar eine Telefonnummer. Aber die persönliche Erfahrung zeigt, dass das fast nie der Fall ist – eigentlich habe ich noch nie ein Elektroauto mit angebrachter Ladescheibe gesehen!

Und nun gibt es also mit dem Unplugsticker ein Werkgzeug zur freundlichen Elektromobilität. Der Unplugsticker ist ein Funktionssticker mit QR-Code, der es ermöglicht, der Fahrer eines Wagens aktiv zu kontaktieren und um Freimachung der Ladestation zu bitten. Näheres über die Funktionsweise und weitere Hinweise sind auf der Website zu finden. Hoffe, es gefällt.

Das Problem mit den Dauerladern

Wenn man eine Rangliste von Ärgerlichkeiten für Elektromobilisten erstellen müsste, würde der Verbrenner, der die Ladesäule verparkt, sicher den ersten Platz einnehmen. Defekte Stromtankstellen sind ein weiteres ärgerliches , glücklicherweise aber eher seltenes Problem. Gleich danach käme wohl der Dauerlader: das sind jene Sorte von Fahrern von Elektroautos, die den Parkplatz vor der Ladeäsule als Ihren persönlichen, gebührenfreien Dauerparkplatz missverstehen, jene, die die örtliche Ladestation als ihr Privateigentum betrachten, und daher immer nur dort laden und praktischerweise auch dauerparken. (Und da man manche Elektroautos beim Laden nicht einfach abstecken kann ist die Ladestation damit dauerhaft besetzt.)

Der Dauerlader ist wohl kein neues Phänomen, aber durch die Tatsache, dass einfach immer mehr Elektroautos auf den Straßen unterwegs sind, wird es mehr und mehr zum Problem: immer öfter verläuft die Suche nach einer freien Ladestation erfolglos, immer öfter muss man deshalb Umwege in Kauf nehmen. Verschärft wird das Problem dadurch, daß es bis jetzt nicht möglich ist, vorab festzustellen, ob eine Lademöglichkeit aktuell besetzt ist oder nicht. Und es steht zu befürchten, dass die Dauerlader mit zum Verschwinden kostenloser Stromtankstellen beitragen werden.

Ladescheibe
Ladescheibe

Dabei wäre gerade unter den „Early Adoptern“ der Elektromobilität, jenen Pionieren trotz (noch) geringer Reichweiten und teilweise unausgereifter Infrastrukur, ein bisschen gegenseitiger Rücksichtnahme angebracht. Es braucht ja nicht viel:

  • Ladeaufenthalte möglichst kurz halten und nach Abschluß der Ladung die Station möglichst bald frei machen.
  • Eine Ladescheibe aufs Armaturenbrett legen, damit andere erkennen können, wie lange noch geladen wird.
  • Anderen die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme geben. Man muss ja nicht gleich eine Telefonnummer im Auto hinterlassen – es gibt auch elegantere Möglichkeiten wie beispielsweise die App ChargeBump.

Die Einsicht, dass jeder mal in die Situation kommen könnte, zum Weiterzukommen dringend nachladen zu müssen, sollte nicht schwer zu erlangen sein. Und die oben genannten Regeln sollten wirklich zur Etikette jedes Fahrers einen Elektromobils gehören.

Elektromobilität: öfters mal gut essen gehen

Mit einem Elektroauto zu fahren hat interessante Nebeneffekte. Zum Beispiel, dass die anfängliche Reichweitenangst (Werden wir unser Ziel erreichen? Bleiben wir unterwegs liegen?) relativ bald einer Kostenangst weicht (Das eigentliche, mit Produkten der Erdölindustrie zu betreibende, Erstauto wird kaum mehr betankt). Oder dass man öfter mal gut essen geht.

Fährt man nämlich weitere Strecken, muss man, und das wird der Elektromobilität gerne vorgeworfen, eine Ladepause einlegen. Da man das planen kann, zieht man der Ladestation in der Parkplatzwüste vielleicht eher ein gutes Restaurant mit Lademöglichkeit vor. Das passt für eine Mittagspause ganz gut und die Ladezeit ist gut investiert.

Elektromobilität: Elektroauto beim Laden
Elektroauto beim Laden

Auch ist man öfters abseits der Autobahnen unterwegs, da man kürzere Routen den schnelleren vorzieht. Das führt zu einem bewussteren Erleben der Landschaft, mehr geniessen und weniger düsen. Und die Ladestopps werden, wie schon erwähnt, dort eingelegt, wo es etwas zu sehen oder etwas gutes zu essen gibt.

Hier liegt eine Chance, welcher sich die Tourismusbranche durchaus bewusst sein sollte: mag sein, dass Elektroautos auf unseren Strassen noch Seltenheitswert haben, aber noch besteht die Chance, sich in diesem jungen Markt gut zu positionieren. Warum sich von der Konkurrenz nicht durch das Angebot einer Lademöglichkeit für Elektroautos absetzen? Die Kosten sind gering und der Effekt ist wahrscheinlich höher als der von so mancher Marketingaktion. Es wäre aber ein Fehler, Elektromobilität als neue Einnahmequelle misszuverstehen. Um eine Analogie zum Internetzugang per WLAN zu ziehen: welcher Gast ist heute noch dazu bereit, dafür extra zu bezahlen?

Und so könnte in nicht allzu ferner Zukunft eine ganz neue Art des Reisens entstehen: ohne Hast und Zeitdruck durch die Landschaft gondeln, von einem Ziel zum nächsten und überall Ladestrom inklusive. Und ab und zu ein gutes Restaurant entdecken. Wäre das nicht viel besser, als am Flughafen am Gepäckförderband rumzustehen?

Ladesäulen vs. Parksäulen

Bei Parkscheinautomaten ist man gewöhnt, den Parkschein gegen den Einwurf von Münzen oder das Einschieben einer Bankomatkarte zu erhalten. Das ist ein bewährtes System, und man käme wohl nicht auf den Gedanken, dieses ohne Not zu ändern.

Würde ein Parkplatzbetreiber jedoch für seine Parksäulen plötzlich RFID-Karten ausgeben, um die Kunden dann nicht für die tatsächliche Parkdauer bezahlen zu lassen sonden stattdessen wöchentliche, monatliche oder jährliche Pauschalen anzubieten, hätte dieser möglicherweise mit mangelnder Kundenakzeptanz zu rechnen. Für manche wäre es vielleicht ein Gewinn, quasi Dauerparken zu können, für viele würde sich aber ein Wochen- oder Monatsabo nicht auszahlen. Abgesehen davon, dass sich die durchaus unterschiedlichen Parkgewohnheiten nicht über eine Pauschale abdecken lassen, kann man die RFID-Karte des örtlichen Parkplatzes möglicherweise schon in der Nachbarstadt nicht mehr verwenden. Für weitere Fahrten müsste man sich vorab eine Parkkarte des Zielgebietes besorgen und möglicherweise eine Wochenparkgebühr für einmaliges Parken bezahlen.

Ladesäule
Ladesäule

Dieses Abrechnungsmodell scheint sich aber in der „Ladesäulenbranche“ nun durchzusetzen. So sind beispielsweise, wie der Autor vor kurzem erfahren hat, in der Elektromobilitätsregion Salzburg Stippvisiten leider nicht vorgesehen: will man das Elektrofahrzeug in der Stadt Salzburg aufladen, muss man sich vorab eine RFID-Karte zuschicken lassen (für den Kunden zwar gratis, aber wohl trotzdem mit Kosten verbunden) und dann ein Abo über die Dauer von zumindest einer Woche abschliessen. Also: einmal laden, eine Woche bezahlen. Da viele Anbieter ihre Ladesäulen bzw. Ladestationen nun mit RFID-Karten freischalten lassen, wird man sich als amitionierter Elektromobilist wohl über kurz oder lang auch mit einem dutzend RFID-Karten eindecken müssen (ausser die Anbieter würden untereinander Roaming zulassen).

Bei der momentan noch geringen Zahl von Elektrofahrzeugen stellt sich die Frage, ob für die Elektrizitätsversorgungsunternehmen momentan nicht jedes Abrechnungssystem mehr Kosten verursacht, als es einspielt. Nicht umsonst gibt es einige Ladestationen, wo man Ladestrom (noch?) kostenlos beziehen kann, was wohl auch als Investition in die Zukunft zu sehen ist: denn wer heute gratis tankt ist wohl morgen ein treuer Kunde. Wenn man aber schon in diesem frühen Marktstadium ein Abrechnungssystem einführen will, wäre es vernünftiger, gleich ein kundenfreundliches Bezahlsystem in Anlehnung an Parkscheinautomaten zu implementieren!