Das Problem mit den Dauerladern

Wenn man eine Rangliste von Ärgerlichkeiten für Elektromobilisten erstellen müsste, würde der Verbrenner, der die Ladesäule verparkt, sicher den ersten Platz einnehmen. Defekte Stromtankstellen sind ein weiteres ärgerliches , glücklicherweise aber eher seltenes Problem. Gleich danach käme wohl der Dauerlader: das sind jene Sorte von Fahrern von Elektroautos, die den Parkplatz vor der Ladeäsule als Ihren persönlichen, gebührenfreien Dauerparkplatz missverstehen, jene, die die örtliche Ladestation als ihr Privateigentum betrachten, und daher immer nur dort laden und praktischerweise auch dauerparken. (Und da man manche Elektroautos beim Laden nicht einfach abstecken kann ist die Ladestation damit dauerhaft besetzt.)

Der Dauerlader ist wohl kein neues Phänomen, aber durch die Tatsache, dass einfach immer mehr Elektroautos auf den Straßen unterwegs sind, wird es mehr und mehr zum Problem: immer öfter verläuft die Suche nach einer freien Ladestation erfolglos, immer öfter muss man deshalb Umwege in Kauf nehmen. Verschärft wird das Problem dadurch, daß es bis jetzt nicht möglich ist, vorab festzustellen, ob eine Lademöglichkeit aktuell besetzt ist oder nicht. Und es steht zu befürchten, dass die Dauerlader mit zum Verschwinden kostenloser Stromtankstellen beitragen werden.

Ladescheibe
Ladescheibe

Dabei wäre gerade unter den „Early Adoptern“ der Elektromobilität, jenen Pionieren trotz (noch) geringer Reichweiten und teilweise unausgereifter Infrastrukur, ein bisschen gegenseitiger Rücksichtnahme angebracht. Es braucht ja nicht viel:

  • Ladeaufenthalte möglichst kurz halten und nach Abschluß der Ladung die Station möglichst bald frei machen.
  • Eine Ladescheibe aufs Armaturenbrett legen, damit andere erkennen können, wie lange noch geladen wird.
  • Anderen die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme geben. Man muss ja nicht gleich eine Telefonnummer im Auto hinterlassen – es gibt auch elegantere Möglichkeiten wie beispielsweise die App ChargeBump.

Die Einsicht, dass jeder mal in die Situation kommen könnte, zum Weiterzukommen dringend nachladen zu müssen, sollte nicht schwer zu erlangen sein. Und die oben genannten Regeln sollten wirklich zur Etikette jedes Fahrers einen Elektromobils gehören.

Initiativen und Förderprogramme

Da die Wichtigkeit der Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz nun schon seit längerer Zeit im öffentlichen Bewusstsein verankert ist und auch von politischer Seite auf den verschiedenen Ebenen (Landes-, Bundes- und auch EU-Ebene) eine wichtige Agenda ist, werden vermehrt auch Programme und Förderungen angeboten, welche einerseits das Bewusstsein in diese Richtung bilden sollen, andererseits auch konkret Unternehmen bei der Verwirklichung von Vorhaben, die der Nachhaltigkeit dienen, unterstützen sollen.
Beispielhaft einige Förderprogramme mit einem Schwerpunkt auf Österreich:

  • ÖkoBusinessPlan Wien: Dieses Förderprogramm der Stadt Wien zum Thema Umweltschutz in Betrieben können Unternehmen in Wien in Anspruch nehmen. Als Einstieg wird mit dem sogenannten „ÖkoBusiness Check“ interessierten Unternehmen eine Basisanalyse mit einer Abschätzung der Einsparungspotenziale angeboten. Anschließend daran können Unternehmen spezifische Beratungsangebote zu Themen wie Umweltzeichen, ISO 14001, EMAS und Energieeffizienz wahrnehmen – auch eine spezifische Green-IT Beratung wird angeboten. Die Kosten für eine individuelle Beratung im Umfang von 24 Stunden werden übernommen.
  • Die Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit ist eine Gemeinschaftsinitiative des Landes Steiermark, der Wirtschaftskammer und der steirischen Wirtschaftsförderung. Gefördert werden Beratungen in den Bereichen nachhaltige Unternehmensführung, Umweltmanagementsysteme und Umwelt- und Klimaschutz. Zum Thema Umwelt- und Klimaschutz werden spezifische Green-IT Beratungen angeboten, wobei 70% der Beratungskosten bis zu einem Umfang von 1000€ gefördert werden.
  • kliamaktiv: Dieses bundesweite Programm des österreichischen Lebensministeriums dient der Förderung von Alternativenergien und der Verringerung des CO2-Ausstoßes, ist also nicht IT-spezifisch. Gefördert sind Beratung, Umsetzung und Investitionen zur Erreichung der Sparziele.
    Abgesehen von Beratungen und finanziellen Förderungen bietet diese Plattform allerdings die interessante Möglichkeit, zu den verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen Experten und Partnerunternehmen auf interaktiven Karten zu finden. Auf der sogenannten Profi-Landkarte besteht sogar die Möglichkeit, nach Green-IT Experten in Österreich zu suchen. Allerdings lieferte die Suche zum Zeitpunkt der Abfrage nur zwei Ergebnisse – beide in Vorarlberg. Zur Eintragung in dieser Profi-Landkarte ist es notwendig zum sogenannten „klima:aktiv Kompetenzpartner“ zu werden, das heißt, dass entsprechende Qualifikationen nachgewiesen werden müssen [klimaaktiv.at, 2012]. Eine Erneuerung dieser Partnerschaft ist prinzipiell alle drei Jahre notwendig.
  • Mit dem Förderprogramm IT Goes Green des deutschen Bundesumweltministeriums werden Pionierprojekte mit einem Schwerpunkt auf kleinen und mittleren Betrieben gefördert. Darüber hinaus investiert die deutsche Bundesregierung in Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz der IT in den Bundesverwaltungen, um so mit gutem Beispiel voranzugehen.
  • Auf EU-Ebene gibt es mit ICT for Sustainable Growth der europäischen Kommission eine Initiative zur „Mobilisierung der Kommunikationstechnologien zur Unterstützung des Übergangs zu einer energieeffizienten, kohlenstoffarmen Wirtschaft“. Dabei geht es sowohl um den umweltgerechten Einsatz der IT, als auch darum, das Potenzial der Green IT im Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft wahrzunehmen. Schwerpunkte der Initiative sind:
    • Steigerung der Energieeffizienz der IT
    • Beiträge der IT zu „nachhaltigen Städten“
    • Beiträge der IT zur Energieeffizienz bei Gebäuden
    • Erforschung der Möglichkeiten von „Smart Grids“
    • Anwendung von IT im Wassermanagement
    • Möglichkeiten der IT-Unterstützung beim Management des
      Klimawandels

    Zu diesen Themen werden sowohl Studien und Programme durchgeführt als auch Projekte gefördert.

    Wie angesprochen übernehmen in Deutschland öffentliche Institutionen zunehmend die Funktion, mit Leuchtturmprojekten als Vorbild für die übrige Wirtschaft zu fungieren und die Verbreitung von nachhaltiger IT damit zu fördern. In Österreich sind dem Autor Leuchtturmprojekte nur aus anderen Bereichen wie bei den Energieregionen oder bei Elektromobilität bekannt – im Bereich der Green IT scheinen solche Projekte hierzulande bis jetzt weniger gebräuchlich zu sein.

    Oft besteht das Problem bei diesen Initiativen und Förderprogrammen nicht darin, dass es zu wenig davon gibt, sondern dass diese zu wenig bekannt sind. Förderungen bleiben oft ungenutzt, da vielen Firmen das Bewusstsein für die Einsparungsmöglichkeiten fehlt [Pössneck, 2012]. Abgesehen davon und wie auch an den beispielhaft genannten Initiativen und Programmen erkennbar ist, werden diese in den konkurrierenden Wirtschaftsräumen von verschiedensten Stellen angeboten – in Österreich ist die Situation dahingehend in jedem Bundesland anders. Es obliegt den Unternehmen, die für sie relevanten Programme und Förderungen zu identifizieren, was bedingt, dass die Motivation, Nachhaltigkeit in der IT (und darüber hinaus) anzustreben, aus dem Unternehmen selbst kommen muss.

Green Policy

Die Definition einer „Green Policy“ ermöglicht es Institutionen, ihre Handlungsgrundsätze im Bezug auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit nach innen und außen zu kommunizieren. Hier wurde bewusst der Anglizismus „Green Policy“ beibehalten, denn der verwandte Begriff „Umweltpolitik“ im Deutschen geht von der Bedeutung her in eine andere Richtung. „Umweltgrundsätze“ oder „grüne Richtlinien“ würden sich eher als Übersetzung anbieten.

Eine „Green Policy“ wird gemäß ihrer Definition als eine „öffentlich zugängliche Definition der Philosophie, Absichten und Zielsetzungen einer Organisation in Bezug auf die Umwelt“ [businessdictionary.com, 2012] in den meisten Fällen natürlich nicht auf Green IT beschränkt sein, sondern es wird wohl eher die Einstellung des Unternehmens in Bezug auf Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Umweltschutz im Allgemeinen einfließen. Dass aber die nachhaltige IT besonders in IT-lastigen Unternehmen eine große Rolle spielen wird, versteht sich von selbst.

Beispielhaft sollen hier drei Green Policies genannt werden:

  • In [Velatec Systems, 2010] findet sich ein Beispiel einer Green Policy, in welcher neben Handlungsrichtlinien in Bezug auf die allgemeinen unternehmerischen Aktivitäten auch explizit Anforderungen an Partnerunternehmen und die Mitarbeiter des Unternehmens definiert sind.
  • In [Extron Electronics, 2012] besteht die Green Policy ausschließlich aus der expliziten Bezugnahme auf die verschiedenen Richtlinien, die vom Unternehmen im Rahmen seiner Tätigkeit berücksichtigt werden, wie beispielsweise RoHS, WEEE, Energy Star, LEED und so weiter.
  • Klare Zielvorgaben finden sich in [E-3 Magazin, 2010] in Form von zu erreichenden Einsparungen beim Ausstoß von Treibhausgasen.

Es ist zu erkennen, dass es durchaus unterschiedliche Ansätze gibt, die Green Policy nach außen zu kommunizieren. Abhängig davon, wen das Unternehmen ansprechen will, wie es sich darstellen will und wie „ernst“ es dem Unternehmen mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz ist, werden die Umweltgrundsätze unterschiedlich formuliert. Realistischerweise ist die nach außen kommunizierte Policy auch zweitrangig, primär kommt es darauf an, wie der Umweltgedanken intern gelebt wird, wobei diese Umweltrichtlinien natürlich auch eine starke Innenwirkung haben.

Die Green Policy steht in Wechselwirkung zur Strategie eines Unternehmens. Einerseits sollten sich die Umweltgrundsätze in der Strategie widerspiegeln, andererseits ist auch ihre Definition von den Zielen eines Unternehmens abhängig. Die Green Policy bestimmt auch die Interaktion des Unternehmens mit den verschiedenen Stakeholdern des Unternehmens, zum Beispiel müssen die Mitarbeiter diese Grundsätze mittragen beziehungsweise sollte das Geschäftsgebaren von Partnerunternehmen diesen nicht widersprechen.