Das Problem mit den Dauerladern

Wenn man eine Rangliste von Ärgerlichkeiten für Elektromobilisten erstellen müsste, würde der Verbrenner, der die Ladesäule verparkt, sicher den ersten Platz einnehmen. Defekte Stromtankstellen sind ein weiteres ärgerliches , glücklicherweise aber eher seltenes Problem. Gleich danach käme wohl der Dauerlader: das sind jene Sorte von Fahrern von Elektroautos, die den Parkplatz vor der Ladeäsule als Ihren persönlichen, gebührenfreien Dauerparkplatz missverstehen, jene, die die örtliche Ladestation als ihr Privateigentum betrachten, und daher immer nur dort laden und praktischerweise auch dauerparken. (Und da man manche Elektroautos beim Laden nicht einfach abstecken kann ist die Ladestation damit dauerhaft besetzt.)

Der Dauerlader ist wohl kein neues Phänomen, aber durch die Tatsache, dass einfach immer mehr Elektroautos auf den Straßen unterwegs sind, wird es mehr und mehr zum Problem: immer öfter verläuft die Suche nach einer freien Ladestation erfolglos, immer öfter muss man deshalb Umwege in Kauf nehmen. Verschärft wird das Problem dadurch, daß es bis jetzt nicht möglich ist, vorab festzustellen, ob eine Lademöglichkeit aktuell besetzt ist oder nicht. Und es steht zu befürchten, dass die Dauerlader mit zum Verschwinden kostenloser Stromtankstellen beitragen werden.

Ladescheibe
Ladescheibe

Dabei wäre gerade unter den „Early Adoptern“ der Elektromobilität, jenen Pionieren trotz (noch) geringer Reichweiten und teilweise unausgereifter Infrastrukur, ein bisschen gegenseitiger Rücksichtnahme angebracht. Es braucht ja nicht viel:

  • Ladeaufenthalte möglichst kurz halten und nach Abschluß der Ladung die Station möglichst bald frei machen.
  • Eine Ladescheibe aufs Armaturenbrett legen, damit andere erkennen können, wie lange noch geladen wird.
  • Anderen die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme geben. Man muss ja nicht gleich eine Telefonnummer im Auto hinterlassen – es gibt auch elegantere Möglichkeiten wie beispielsweise die App ChargeBump.

Die Einsicht, dass jeder mal in die Situation kommen könnte, zum Weiterzukommen dringend nachladen zu müssen, sollte nicht schwer zu erlangen sein. Und die oben genannten Regeln sollten wirklich zur Etikette jedes Fahrers einen Elektromobils gehören.

Initiativen und Förderprogramme

Da die Wichtigkeit der Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz nun schon seit längerer Zeit im öffentlichen Bewusstsein verankert ist und auch von politischer Seite auf den verschiedenen Ebenen (Landes-, Bundes- und auch EU-Ebene) eine wichtige Agenda ist, werden vermehrt auch Programme und Förderungen angeboten, welche einerseits das Bewusstsein in diese Richtung bilden sollen, andererseits auch konkret Unternehmen bei der Verwirklichung von Vorhaben, die der Nachhaltigkeit dienen, unterstützen sollen.
Beispielhaft einige Förderprogramme mit einem Schwerpunkt auf Österreich:

  • ÖkoBusinessPlan Wien: Dieses Förderprogramm der Stadt Wien zum Thema Umweltschutz in Betrieben können Unternehmen in Wien in Anspruch nehmen. Als Einstieg wird mit dem sogenannten „ÖkoBusiness Check“ interessierten Unternehmen eine Basisanalyse mit einer Abschätzung der Einsparungspotenziale angeboten. Anschließend daran können Unternehmen spezifische Beratungsangebote zu Themen wie Umweltzeichen, ISO 14001, EMAS und Energieeffizienz wahrnehmen – auch eine spezifische Green-IT Beratung wird angeboten. Die Kosten für eine individuelle Beratung im Umfang von 24 Stunden werden übernommen.
  • Die Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit ist eine Gemeinschaftsinitiative des Landes Steiermark, der Wirtschaftskammer und der steirischen Wirtschaftsförderung. Gefördert werden Beratungen in den Bereichen nachhaltige Unternehmensführung, Umweltmanagementsysteme und Umwelt- und Klimaschutz. Zum Thema Umwelt- und Klimaschutz werden spezifische Green-IT Beratungen angeboten, wobei 70% der Beratungskosten bis zu einem Umfang von 1000€ gefördert werden.
  • kliamaktiv: Dieses bundesweite Programm des österreichischen Lebensministeriums dient der Förderung von Alternativenergien und der Verringerung des CO2-Ausstoßes, ist also nicht IT-spezifisch. Gefördert sind Beratung, Umsetzung und Investitionen zur Erreichung der Sparziele.
    Abgesehen von Beratungen und finanziellen Förderungen bietet diese Plattform allerdings die interessante Möglichkeit, zu den verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen Experten und Partnerunternehmen auf interaktiven Karten zu finden. Auf der sogenannten Profi-Landkarte besteht sogar die Möglichkeit, nach Green-IT Experten in Österreich zu suchen. Allerdings lieferte die Suche zum Zeitpunkt der Abfrage nur zwei Ergebnisse – beide in Vorarlberg. Zur Eintragung in dieser Profi-Landkarte ist es notwendig zum sogenannten „klima:aktiv Kompetenzpartner“ zu werden, das heißt, dass entsprechende Qualifikationen nachgewiesen werden müssen [klimaaktiv.at, 2012]. Eine Erneuerung dieser Partnerschaft ist prinzipiell alle drei Jahre notwendig.
  • Mit dem Förderprogramm IT Goes Green des deutschen Bundesumweltministeriums werden Pionierprojekte mit einem Schwerpunkt auf kleinen und mittleren Betrieben gefördert. Darüber hinaus investiert die deutsche Bundesregierung in Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz der IT in den Bundesverwaltungen, um so mit gutem Beispiel voranzugehen.
  • Auf EU-Ebene gibt es mit ICT for Sustainable Growth der europäischen Kommission eine Initiative zur „Mobilisierung der Kommunikationstechnologien zur Unterstützung des Übergangs zu einer energieeffizienten, kohlenstoffarmen Wirtschaft“. Dabei geht es sowohl um den umweltgerechten Einsatz der IT, als auch darum, das Potenzial der Green IT im Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft wahrzunehmen. Schwerpunkte der Initiative sind:
    • Steigerung der Energieeffizienz der IT
    • Beiträge der IT zu „nachhaltigen Städten“
    • Beiträge der IT zur Energieeffizienz bei Gebäuden
    • Erforschung der Möglichkeiten von „Smart Grids“
    • Anwendung von IT im Wassermanagement
    • Möglichkeiten der IT-Unterstützung beim Management des
      Klimawandels

    Zu diesen Themen werden sowohl Studien und Programme durchgeführt als auch Projekte gefördert.

    Wie angesprochen übernehmen in Deutschland öffentliche Institutionen zunehmend die Funktion, mit Leuchtturmprojekten als Vorbild für die übrige Wirtschaft zu fungieren und die Verbreitung von nachhaltiger IT damit zu fördern. In Österreich sind dem Autor Leuchtturmprojekte nur aus anderen Bereichen wie bei den Energieregionen oder bei Elektromobilität bekannt – im Bereich der Green IT scheinen solche Projekte hierzulande bis jetzt weniger gebräuchlich zu sein.

    Oft besteht das Problem bei diesen Initiativen und Förderprogrammen nicht darin, dass es zu wenig davon gibt, sondern dass diese zu wenig bekannt sind. Förderungen bleiben oft ungenutzt, da vielen Firmen das Bewusstsein für die Einsparungsmöglichkeiten fehlt [Pössneck, 2012]. Abgesehen davon und wie auch an den beispielhaft genannten Initiativen und Programmen erkennbar ist, werden diese in den konkurrierenden Wirtschaftsräumen von verschiedensten Stellen angeboten – in Österreich ist die Situation dahingehend in jedem Bundesland anders. Es obliegt den Unternehmen, die für sie relevanten Programme und Förderungen zu identifizieren, was bedingt, dass die Motivation, Nachhaltigkeit in der IT (und darüber hinaus) anzustreben, aus dem Unternehmen selbst kommen muss.

Green Policy

Die Definition einer „Green Policy“ ermöglicht es Institutionen, ihre Handlungsgrundsätze im Bezug auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit nach innen und außen zu kommunizieren. Hier wurde bewusst der Anglizismus „Green Policy“ beibehalten, denn der verwandte Begriff „Umweltpolitik“ im Deutschen geht von der Bedeutung her in eine andere Richtung. „Umweltgrundsätze“ oder „grüne Richtlinien“ würden sich eher als Übersetzung anbieten.

Eine „Green Policy“ wird gemäß ihrer Definition als eine „öffentlich zugängliche Definition der Philosophie, Absichten und Zielsetzungen einer Organisation in Bezug auf die Umwelt“ [businessdictionary.com, 2012] in den meisten Fällen natürlich nicht auf Green IT beschränkt sein, sondern es wird wohl eher die Einstellung des Unternehmens in Bezug auf Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Umweltschutz im Allgemeinen einfließen. Dass aber die nachhaltige IT besonders in IT-lastigen Unternehmen eine große Rolle spielen wird, versteht sich von selbst.

Beispielhaft sollen hier drei Green Policies genannt werden:

  • In [Velatec Systems, 2010] findet sich ein Beispiel einer Green Policy, in welcher neben Handlungsrichtlinien in Bezug auf die allgemeinen unternehmerischen Aktivitäten auch explizit Anforderungen an Partnerunternehmen und die Mitarbeiter des Unternehmens definiert sind.
  • In [Extron Electronics, 2012] besteht die Green Policy ausschließlich aus der expliziten Bezugnahme auf die verschiedenen Richtlinien, die vom Unternehmen im Rahmen seiner Tätigkeit berücksichtigt werden, wie beispielsweise RoHS, WEEE, Energy Star, LEED und so weiter.
  • Klare Zielvorgaben finden sich in [E-3 Magazin, 2010] in Form von zu erreichenden Einsparungen beim Ausstoß von Treibhausgasen.

Es ist zu erkennen, dass es durchaus unterschiedliche Ansätze gibt, die Green Policy nach außen zu kommunizieren. Abhängig davon, wen das Unternehmen ansprechen will, wie es sich darstellen will und wie „ernst“ es dem Unternehmen mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz ist, werden die Umweltgrundsätze unterschiedlich formuliert. Realistischerweise ist die nach außen kommunizierte Policy auch zweitrangig, primär kommt es darauf an, wie der Umweltgedanken intern gelebt wird, wobei diese Umweltrichtlinien natürlich auch eine starke Innenwirkung haben.

Die Green Policy steht in Wechselwirkung zur Strategie eines Unternehmens. Einerseits sollten sich die Umweltgrundsätze in der Strategie widerspiegeln, andererseits ist auch ihre Definition von den Zielen eines Unternehmens abhängig. Die Green Policy bestimmt auch die Interaktion des Unternehmens mit den verschiedenen Stakeholdern des Unternehmens, zum Beispiel müssen die Mitarbeiter diese Grundsätze mittragen beziehungsweise sollte das Geschäftsgebaren von Partnerunternehmen diesen nicht widersprechen.

Speicher

Ich habe unlängst einen guten Vortrag über Speicher gehört. Nicht das, was ein Informatiker normalerweise unter Speicher versteht, nämlich RAM und ROM, sondern Energiespeicher um genau zu sein. Diese spielen nämlich eine immer grössere Rolle im Rahmen des Umstieges auf erneuerbare Energien – also dem, was man gemeinhin unter „Energiewende“ versteht. Unter Energiespeichern versteht man in diesem Zusammenhang auch nicht nur Akkumulatoren auf elektrochemischer Basis, sondern schlicht alle Möglichkeiten, elektrische Energie oder Wärmeenergie zu speichern, von einfachen Systemen zur Wärmespeicherung bis hin zu Gravitationsspeichern.

Generell geht es bei diesem Thema darum, erneuerbare Energien wie Wind- und Sonnenenergie zu speichern, um sie zu einem späteren Zeitpunkt nützen zu können. Das klassische Beispiel wäre die elektrische Energie aus der PV-Anlage eines Einfamilienhauses, welche unter Tags „geerntet“ wird, aber am Abend für Beleuchtungszwecke oder zum Betrieb von Haushaltsgeräten benötigt wird. Aber die möglichen Einsatzgebiete gehen über dieses Beispiel hinaus, sowohl was die Art der Energie betrifft als auch die Speicherdauer. So wäre eine mögliche Anwendungen, die Sonnenenergie der warmen Jahreszeit zu speichern, um sie während der kalten Jahreszeit in Form von Wärmeenergie zu konsumieren.

Interessant ist, wie mittels Energiespeicher Übergänge zwischen Energiesektoren möglich sind. So wird im Power-to-Gas Szenario elektrische Energie beispielsweise aus Windkraftanlagen in Form von brennbarem Gas (Wasserstoff, Methan) gespeichert, welches dann zur Wärmegewinnung, im Verkehrssektor oder auch in er chemischen Industrie eingesetzt werden kann.

Speichertechnologien sind zur Zeit jedenfalls „en vogue“, und dieser Tatsache wird auch mit der Speicherintiative des Klima- und Energiefonds Rechnung getragen. Und in dem Buch Energiespeicher – Bedarf, Technologien, Integration von Prof. Michael Sterner wird das Thema umfassend behandelt.

Bitte ordnungsgemäß entsorgen!

Ich hatte bis vor einiger Zeit Internet und TV über einen grossen österreichischen Telekommunikationsprovider. Aus Gründen, welche nicht hierher gehören, entschied ich mich vor einigen Monaten den Internetprovider zu wechseln. Übrig blieben ein Router und eine Settop Box mit allem möglichen Zubehör (Kabel, Fernbedienung, Netzteile, Benutzerhandbücher). Auf meine Frage beim alten Provider, was ich mit dem ganzen Kram machen sollte, erhielt ich die knappe Antwort: „Bitte entsorgen Sie das ordnungsgemäß!“. Der Provider sieht die Pflicht beim Konsumenten, unter Einhaltung der Elektroaltgeräteverordnung die Geräte bei den entsprechenden Sammelstellen abzugeben.

Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit betrachtet ist es keinesfalls vertretbar, Gerätschaften, die nicht einmal ein Jahr in Verwendung waren, als Elektroschrott einfach auf den Müll zu kippen. Aber rein rechtlich gesehen ist das in Ordnung und aus der betriebswirtschaftlichen Sicht des Providers macht es durchaus Sinn: eine Rücksendung (möglicherweise auch auf Kosten des Unternehmens), ein Wiederaufbereiten und eine anschliessende Neuauslieferung der Geräte ist sicherlich viel teurer, als einfach die alten Geräte in den Entsorgungkreislauf überführen zu lassen und neuen Kunden neue Geräte auszuliefen.

Fraglich ist aber schon, warum der entsprechende Provider überhaupt eigene Hardware ausliefert – nach dazu wo diese nur von eher unterdurchschnittlicher Qualität ist. Könnte man nicht dem Konsumenten die Freiheit geben, sich die (entsprechend zertifizierte) Hardware selbst auszusuchen? Immerhin hat nicht jeder gleiche Ansprüche an beispielsweise einen Router: manchem Konsumenten mag wichtig sein, dass im ganzen Haus guter WLAN-Empfang herrscht, manch anderer braucht vielleicht überhaupt kein WLAN.

Die Provider versuchen natürlich, für die Kunden möglichst eine „gated Community“ aufzubauen, um einen Betreiberwechsel möglichst unbequem zu machen – man kennt das ja auch von Smartphonebetriebssystemen. Aber es kann sein, dass diese Motivation auf Kosten von Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit und nicht zuletzt auch auf Kosten der Konsumenten geht. Wie so oft liegt bei geschlossenen Systemen der Vorteil nur beim Diensteanbieter (möglicherweise aber nur vermeintlich und auch nicht langfristig), von offenen Systemen würden aber alle, einschliesslich der betroffenen Stakeholder profitieren. Aber man kann leider von keinem Unternehmen verlangen, ganzheitliche Überlegungen diesbezüglicher Art anzustellen.

Elektromobilität: öfters mal gut essen gehen

Mit einem Elektroauto zu fahren hat interessante Nebeneffekte. Zum Beispiel, dass die anfängliche Reichweitenangst (Werden wir unser Ziel erreichen? Bleiben wir unterwegs liegen?) relativ bald einer Kostenangst weicht (Das eigentliche, mit Produkten der Erdölindustrie zu betreibende, Erstauto wird kaum mehr betankt). Oder dass man öfter mal gut essen geht.

Fährt man nämlich weitere Strecken, muss man, und das wird der Elektromobilität gerne vorgeworfen, eine Ladepause einlegen. Da man das planen kann, zieht man der Ladestation in der Parkplatzwüste vielleicht eher ein gutes Restaurant mit Lademöglichkeit vor. Das passt für eine Mittagspause ganz gut und die Ladezeit ist gut investiert.

Elektromobilität: Elektroauto beim Laden
Elektroauto beim Laden

Auch ist man öfters abseits der Autobahnen unterwegs, da man kürzere Routen den schnelleren vorzieht. Das führt zu einem bewussteren Erleben der Landschaft, mehr geniessen und weniger düsen. Und die Ladestopps werden, wie schon erwähnt, dort eingelegt, wo es etwas zu sehen oder etwas gutes zu essen gibt.

Hier liegt eine Chance, welcher sich die Tourismusbranche durchaus bewusst sein sollte: mag sein, dass Elektroautos auf unseren Strassen noch Seltenheitswert haben, aber noch besteht die Chance, sich in diesem jungen Markt gut zu positionieren. Warum sich von der Konkurrenz nicht durch das Angebot einer Lademöglichkeit für Elektroautos absetzen? Die Kosten sind gering und der Effekt ist wahrscheinlich höher als der von so mancher Marketingaktion. Es wäre aber ein Fehler, Elektromobilität als neue Einnahmequelle misszuverstehen. Um eine Analogie zum Internetzugang per WLAN zu ziehen: welcher Gast ist heute noch dazu bereit, dafür extra zu bezahlen?

Und so könnte in nicht allzu ferner Zukunft eine ganz neue Art des Reisens entstehen: ohne Hast und Zeitdruck durch die Landschaft gondeln, von einem Ziel zum nächsten und überall Ladestrom inklusive. Und ab und zu ein gutes Restaurant entdecken. Wäre das nicht viel besser, als am Flughafen am Gepäckförderband rumzustehen?

Energieverbrauch in Netzwerken

Die vergangenen vier Jahrzehnte sahen ein außerordentliches Wachstum der Computernetzwerke. Es gab natürlich schon vor dem Aufkommen des Internets vernetzte Computeranlagen, aber seit dem Beginn des rapiden Internetwachstums Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nahm auch die Vernetzung der Geräte massiv zu. So gab es im Jahr 2000 ungefähr 360 Millionen Internetnutzer, im Jahr 2012 waren es circa 2,3 Milliarden – also mehr als eine Versechsfachung in zwölf Jahren [internetworldstats.com, 2011].Natürlich brauchen diese Telekommunikationssysteme auch elektrische Energie und haben ihren Anteil am IT-Gesamtenergieverbrauch: Die Bereitstellung der Energie zum Betrieb der Netzwerkinfrastruktur ist immerhin für ca. 0,6% der globalen Emissionen verantwortlich [Bolla u.a., 2009].

Es gibt auch in diesem Bereich Potenzial für Einsparungen durch eine Verbesserung der Energieeffizienz: der Verbrauch der Netzwerkkomponenten ist oft auf Höchstlasten ausgelegt und ist unabhängig von der tatsächlichen, oft viel geringeren Auslastung. Die Leistungsaufnahme wird also durch die Auslastung der Geräte nur wenig bis gar nicht beeinflusst, da nur eine geringe Energieproportionalität gegeben ist. So zum Beispiel variiert die Leistungsaufnahme von typischen Switches zwischen Null- und Vollast um weniger als 15 Prozent. Das Ziel muss also sein, den Energieverbrauch der Netzwerkinfrastruktur dynamisch an die Nutzlast anzupassen. Dies kann dadurch erreicht werden, daß Netzwerkkomponenten ihren Verbrauch bei geringerem Datentraffic auch drosseln können. Eine Möglichkeit dazu besteht beispielsweise darin, dass Subkomponenten bei Nichtverwendung in einen Schlafmodus versetzt werden, aus dem sie bei Bedarf wieder „geweckt“ werden können. Ein weiterer Ansatz ist das sogenannte „Energy-Efficient Ethernet“ mit dem Standard IEEE 802.3az [Cisco Systems, 2011]. Hier werden die Einsparungen erreicht, indem die LAN-Ports nur mehr dann Strom verbrauchen, wenn tatsächlich Daten gesendet werden. Werden keine Daten gesendet, gehen sie in einen Schlafmodus, stehen wieder Daten zur Übertragung an, wird zuvor der „schlafende“ Port durch die Sendung eines Signals geweckt.

Abgesehen von vielfältigen Einsparungsmöglichkeiten kann eine moderne Netzwerkinfrastruktur aber auch als Energiemanager agieren, indem sie den Betrieb von am Netzwerk angeschlossenen Komponenten wie IP-Telefonen, WLAN-Access-Points oder auch PCs steuert („Wake On Lan“). Unter diesem Aspekt darf also nicht nur isoliert der Energieverbrauchs des Netzwerkes an sich betrachtet werden, sondern es sind auch die Einsparungsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen, die durch Computernetzwerke erst ermöglicht werden.

Messdimensionen in IT-Systemen

Welche Dimensionen können messtechnisch in einem IT-System erfasst werden? Mögliche Ansätze wären:

  • Energieverbrauch: dies ist jene Dimension, welche sich am offensichtlichsten zur Messung eignet. Die Messung kann mit relativ einfachen Mitteln – es reicht im Prinzip ein handelsübliches Strommessgerät – erfolgen. In größeren Systemen, beispielsweise einem Rechenzentrum, stellt sich die Frage der Granularität: wenn man die Verbräuche detailliert an allen Hardware- und Infrastrukturkomponenten misst, kann man andere Fragen beantworten, als wenn man nur den Gesamtenergieverbrauch des Systems bestimmt.
  • Effizienz: die Effizienz eines IT-Systems ist schon schwerer zu messen – es stellt sich nämlich die Frage nach der Definition von Effizienz. Geht es um die Anzahl der Instruktionen pro eingesetzter Energie, oder um ein Maß an sinnvoll geleisteter Arbeit? Andere Maße von Effizienz wären beispielsweise die Auslastung eines IT-Systems, oder die für die Kühlung eingesetzte Energie im Verhältnis der zum Betrieb der Hardware aufgewendeten Energie. Es liegt schließlich auch an der zu beantwortenden Fragestellung, beziehungsweise den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, wie Effizienz tatsächlich gemessen wird.
  • Hardware: Auch hardwarespezifische Maßzahlen sind möglich, beispielsweise die Anschaffungskosten, die Betriebskosten bzw. die Gesamtbetriebskosten („Total Cost of Ownership“) oder der Zeitraum, den eine Komponente im Einsatz bleibt (welcher gemeinhin von steuerlichen Abschreibungszeiträumen bestimmt wird). Man könnte auch die Menge der Ressourcen messen, welche zur Erzeugung der Hardware aufgewendet wurde und daraus Effizienzkennzahlen ableiten – aber solche Maßzahlen sind noch nicht gebräuchlich und sind in einem Unternehmenskontext wahrscheinlich auch nicht zielführend.
  • Software: Auch die Software selbst kann Gegenstand von Effizienzmessungen sein. Es gibt aber bisher keine verbindlichen Metriken für Softwareeffizienz [Capra u. a., 2012], auch die von der Internationalen Organisation für Normung (ISO) definierten Softwarequalitätsmerkmale (ISO/IEC 9126) beinhalten wenig Anhaltspunkte zu diesem Thema. In einem eng gefassten Rahmen unter genau definierten Bedingungen kann es interessant sein, zu untersuchen, wie sich der Energieverbrauch von Applikationen in Bezug auf die Anforderungen entwickelt. So wurde beispielsweise der Stromverbrauch einer Webpage untersucht: diese benötigte zur Darstellung in ihrer Basisversion ca. 4,7 Watt, der Verbrauch derselben Webpage mit eingebettetem Videostreaming betrug aber bis zu 16 Watt [Prem Bianzino u. a., 2011].
  • Nutzen: Die Dimension des „Nutzens“ eines IT-Systems im Bezug auf den Beitrag, welches dieses zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen leistet, wäre theoretisch auch eine interessante Messdimension. Man könnte so dem Ressourcenverbrauch eines Systems dessen Beitrag zur Ressourceneinsparung gegenüberstellen. Aber nach dem Wissensstand des Autors gibt es hierzu noch keine praktikablen Ansätze.